
Am Ufer des Flusses Otava, ungefähr 100 km südlich von Prag, gründeten die tschechischen Könige kurz vor der Hälfte des 13. Jahrhunderts die Burg und Stadt Písek. Ihren Namen bekam sie von dem goldhaltigen Sand, den unsere Vorfahren gründlich ausgewaschen haben, um von ihm das wertvolle Metall, mit welchem der Wert von allen Waren zu messen war, zu gewinnen. Die erste schriftliche Erwähnung über die Stadt ist in der Urkunde des Königs Václav I., mit dem Jahr 1243 datiert. Dank der Goldschürfung und einem regen Geschäfts- und Produktionsverkehr wuchs die Stadt schnell und erfreute sich der ungewöhnlichen Gnade der Herrscher Přemysl Otakar II., Karel IV. und auch Václav IV., die hier oft zu Gast waren.
Schon in der Zeit des Hochmittelalters war sie das Zentrum eines ausgedehnten Bezirkes, der Prachiner genannt wurde. Er nahm einen beträchtlichen Teil des Gebietes von Südwestböhmen ein. Noch vor dem Beginn der hussitischen Kriege neigte Písek zu der Verteidigung des Kelches und in den Jahren 1419 - 52 war die Stadt sogar eine selbstverwaltete hussitische Stadtrepublik. Ab und zu weilte hier der Feldherr Jan Žižka von Trocnov, seinen Sitz hatte hier der hussitische Bischof Mikuláš Biskupec, und die Bottiche mit dem Gemeindeeigentum verwaltete der Hauptmann Matěj Louda von Chlumčany.
Auch der nachhussitische Zeitabschnitt bedeutete für Písek eine Epoche von Prosperität, die durch aufwendige Bauten und den Einkauf von Gemeindegütern ihren Ausdruck fand. Die viel versprechende Entwicklung unterbrach zuerst der nicht gelungene Aufstand gegen die Habsburger in den Jahren 1546 - 47 und später vor allem der Widerstand gegen die Herrscher am Anfang des Dreißigjährigen Krieges. In den Jahren 1619 - 20 wurde Písek dreimal erobert und jedes Mal eingenommen und vor allem die letzte Eroberung am 30. September 1620 bedeutete eine vollendete Katastrophe. Die Habsburger Soldaten ermordeten den Großteil der Bevölkerung und brannten die meisten Häuser ab.
Die Wiederbelebung kam langsam und dazu wurde sie noch mit häufigen Bränden, Epidemien und Heerdurchzügen erschwert. So zum Beispiel ein mehrmonatiger Aufenthalt von französischen und bayrischen Soldaten in den Jahren 1741 - 42. Vom 19. Jahrhundert an ändert die Stadt vollkommen ihr Gesicht - sie wächst über ihre Mauern hinaus, in den Vororten entstehen ganze Straßen von Mietshäusern, auf dem Rathaus gewinnt Tschechisch als Amtsprache an Bedeutung, es entstehen Kulturinstitutionen und Vereine und Písek wird eine Stadt der Schulen und Studenten und auch als ein Mekka der Geigenspielern bekannt. Sie wird auch - als die Stadt im Meer der Wälder - zum ausgesuchtem Erholungsort und beliebtem Ziel von Touristen. Dieser Zustand dauert eigentlich bis heute an, wo das historische Zentrum von Písek zu einer Stadtdenkmalzone erklärt wurde.
Dateidatum: 12.9.2007

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